Milchpreissenkung am 1.11.2008
Die jüngste Milchpreissenkung macht mich sprachlos. Wo sind die im Mai getätigten Versprechungen der Discounter, den Milchpreis im Laden zu erhöhen, d.h. den Molkereien die Milch teurer zu bezahlen. Sie waren wohl nur zur Gemütsberuhigung während der Protestaktionen. Mir fehlen die Worte! Denn nun ist der Milchpreis im Geschäft seit April sogar um insgesamt 18 Cent pro Liter gesunken. Eine einfache Rechnung:
In den Vertragsverhandlungen mit den Molkereien im April diesen Jahres senkten die Discounter den Milchpreis um 12 Cent pro Liter. Im Mai/Anfang Juni, am Ende des Milchboykotts, wurde die Senkung um 7 Cent zurückgenommen, d.h. die Molkereien bekamen 7 Cent mehr für einen Liter Milch, den sie an den Discounter verkauften (ein Geld, von dem übrigens wenig bei uns Erzeugern angekommen ist). Ende Mai, Anfang Juni betrug die Milchpreissenkung also noch 5 Cent. Nun gab es diesen Oktober neue Preisverhandlungen mit den Molkereien - das Resultat: Preissenkung bei Frischmilch um 13 Cent. Addiert man diese 13 Cent zu den 5 Cent von Mai/Juni, so hat man insgesamt eine Milchpreissenkung von 18 Cent innerhalb weniger Monate.
Und dann noch die Frechheit der Discounter, einer Sendung „Galileo“ zu erklären: „Wir wollen den deutschen Markt vor billigen ausländischen Milchprodukten schützen. Der deutsche Milchmarkt sei voll, deshalb müsse die Milch billig sein damit sie auf jeden Fall verkauft würde. Andernfalls würde billige Milch aus dem Ausland auf unseren Markt drängen.“
Wer entscheidet, welche Artikel im Laden angeboten werden?! Doch wohl der Discounter selbst! Wie einfach wäre es, zu sagen: „Wir verkaufen nur deutsche Produkte, sie sind qualitativ sehr gut. Deshalb sind wir bereit, den Molkereien pro Liter Milch mehr zu bezahlen, zumal der Verbraucher die Milchprodukte auch teurer einkaufen würde.“
Wenn die Preisentwicklung so weitergeht, wird es bald keine deutschen Milchbauern mehr geben, dann gibt es nur noch ausländische Milch und Milchprodukte zu kaufen. Guten Appetit!!!
Und außerdem: Wo bleibt unser Bundeskartellamt? Es ist dazu da, negative Auswirkungen von Machtkonzentrationen auf Märkten zu bekämpfen, mit anderen Worten: den Missbrauch von marktbeherrschenden Stellungen zu untersagen. Es darf sogar Geldstrafen verhängen. Spätestens jetzt muss das Kartellamt einschreiten, denn niemand kann von der Hand weisen, dass sich die Discounter bei der jüngsten Milchpreissenkung abgesprochen haben. Es kann kein Zufall sein, dass Discounter und Lebensmittelketten innerhalb weniger Tage den Verkaufspreis für Milch um ein und denselben Betrag gesenkt haben. Das ist eine Machtkonzentration auf unserem Markt, speziell unserem Milchmarkt, die sich negativ auswirkt, da die Milch unter Preis eingekauft wird.
Warum schreitet das Kartellamt nicht ein?
Und zuletzt unsere Molkereien: Sie sind nach wie vor undurchsichtig für uns Bauern, wie widersinnig, denn eigentlich sind ja wir Bauern die Molkerei! Aber der Informationsfluss stimmt nicht. Wo blieben z.B. die 7 Cent, die Ende Mai/Anfang Juni von den Discountern mehr für unsere Milch bezahlt wurden. Wie ich schon sagte schien dieses Geld kaum bei uns Bauern anzukommen. Der Grundauszahlungspreis für unsere Milch stieg nämlich nicht seit Mai wie man hätte erwarten können, sondern er stagnierte und fällt nun wieder stetig. Prognosen beschreiben, dass er weit unter 30 Cent pro Liter fallen wird.
Ein Fehler ist sicher, dass jede Molkerei ihre eigene „Milchsuppe“ kocht. Deshalb sind die Molkereien gegeneinander auszuspielen, ein Leichtes für die Discounter. Die Molkereien gehören an einen Tisch. Nur gemeinsam sind sie stark.
Marlis Höck
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