Es brennt
Wo bleibt die Unterstützung der Regierung. Ich vermisse Ihre Reaktion, Frau Merkel. Unsere Situation ist sehr ernst. In jedes Krisengebiet fahren Sie umgehend oder geben Ihre Betroffenheit kund. Wo sind Sie bei Ihren deutschen Bauern? Haben Sie Angst sich Ihre Finger zu verbrennen? Wir sind Ihre Wähler, Frau Merkel, oder waren wir es?! Es brennt!!!
Hier noch einige Gedanken zum Streik:
Der Streik von uns Bauern unterscheidet sich gewaltig vom Streik anderer Arbeitnehmer. Wenn andere Arbeitnehmer streiken, dann „legen sie ihre Arbeit nieder“, sie bekommen außerdem wenigstens einen Teil ihres Gehaltes weiterbezahlt. Wie anders ist das bei uns Bauern. Da kann keine Arbeit niedergelegt werden. Unsere Kühe würden sehr protestieren. Sie müssen weiter morgens, abends und auch am Wochenende gemolken werden. Die Arbeit auf dem Feld geht weiter. Grassilage oder Heu müssen eingebracht werden. An dieser Stelle möchte ich meine Hochachtung für viele Bäuerinnen aussprechen, deren Männer zur Blockade fahren. Sie bleiben zu Hause. Auf ihren Schultern lastet nun doppelte Arbeit. Die Versorgung der Tiere zusätzlich zum täglichen Arbeitspensum: das „Taxi Mama“ kann nämlich auch keine Arbeit niederlegen. Und wie viele Altenteiler werden auf Höfen gepflegt. Hut ab!
Die Kosten auf unseren Höfen laufen auch weiter: da kommt der Tierarzt, da laufen die Traktoren bei der Ernte und verbrauchen 100te Liter Diesel, da müssen Mais und Getreide mit überteuerten Spritzmitteln gespritzt werden, da müssen Wiesen mit im Vergleich zum vergangenem Jahr doppelt so teurem Dünger gedüngt werden, die Kühe fressen weiter ihr Kraftfutter, da ihr Verdauungssystem sonst zusammenbrechen würde, ich kann dies endlos weiterführen, aber die Milch, unser Einkommen, läuft weg.
Ich lese in einem Ihrer Artikel: „Die Molkereien trifft es inzwischen hart. Der Schaden geht in die Millionen.“ Das bringt mich zum Lachen! Was glauben Sie, liebe Leser, wer diese Millionen letztendlich trägt? Natürlich auch wieder wir Bauern, weil die Molkereien uns dieses Geld von unserem zukünftigen Milchgeld abziehen werden.
Und seien wir doch einmal ehrlich: Den großen Discountern ist es doch völlig egal wie teuer sie ihre Milch in den Regalen anbieten. Wichtig ist doch nur, dass es niemanden gibt, der sie billiger anbietet.
Kein wirtschaftliches Unternehmen würde sein Produkt unter Preis verkaufen!
Sie haben Recht, Frau Jansen, wenn Sie sagen: „Der Boykott darf keine Ausmaße annehmen.“ Da bitte ich meine „Mitstreiker“ auch sehr ernsthaft und eindringlich, niemanden zu verletzen oder ernsthaft zu gefährden. Unser Streik ist berechtigt! Wir haben es nicht nötig gewalttätig zu werden! Die Masse der Bevölkerung steht hinter uns und versteht uns, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanke. Aber es ist wie bei einer schlimmen Krankheit: Freunde klopfen uns auf die Schulter und bekunden ihr Mitleid. Das stärkt, aber tragen muss man die Not letztendlich allein.